Cittaslow international

1979 in Italien entstanden hat sich das Cittaslownetzwerk sehr bald über alle Kontinente dieser Erde gespannt. Der Wunsch in einem entschleunigten Rhythmus zu leben und auf die Lebensqualität zu achten findet in immer mehr Ländern dieser Erde Beachtung.

www.cittaslow.at ↗

Facts & Figures

1986

Gründung von „Slow Food" anlässlich der Eröffnung einer Mc Donald's Filiale an der spanischen Treppe in Rom. Italienische Gourmets riefen zur „Rettung regionaler Küchentraditionen" auf.

1989

Delegierte aus 12 Ländern gründen in Paris „Slow Food International". Heute gibt es Slow Food in 35 Ländern mit insgesamt ca. 70.000 Mitgliedern.

1999

Vier italienische Städte gründen in Orvieto die eigenständige Bewegung „Cittaslow – Slow City – Netzwerk der lebenswerten Städte". Ziel ist die Erhöhung der Lebensqualität.

2000

Inzwischen gibt es 33 Mitgliedsstädte in Italien. Man beschließt die Bewegung international auszuweiten.

2007

Der Stadt Enns wird im Mai 2007 der Titel „cittaslow" verliehen — Enns ist die 1. österreichische cittaslow.

2008

Die Stadt Hartberg in der Steiermark erhält als zweite in Österreich den Titel cittaslow.

2009

Als dritte Stadt in Österreich erhält Horn den begehrten Titel cittaslow.

Città Slow Logo

Charta

Die Entwicklung der Städte und Gemeinden stützt sich unter anderem auf die Fähigkeit, eine eigene, typische Besonderheit entwickelt zu haben und diese zu vertreten, eine eigene Identität zu wahren, die auch nach außen hin erkennbar ist und im inneren Kern gelebt wird.

Das Phänomen der Globalisierung bietet uns zweifelsohne großartige Möglichkeiten zum Austausch und zur Verbreitung. Sie tendiert jedoch leider dazu, die Unterschiede zu verflachen und die ganz eigenen typischen Besonderheiten der einzelnen Realitäten zu verdecken, indem uns Durchschnittsmuster aufgesetzt werden, die niemand wirklich für sich beanspruchen kann. Sie führen daher zwangsläufig zu Mittelmäßigkeit.

Mit Rasanz entwickelt sich nun eine andersartig gelagerte Nachfrage nach neuen Lösungsansätzen. Sie zielt in Richtung einer inneren Auseinandersetzung, gekoppelt mit einer beispielhaften Ausbreitung. Damit dieses Bestreben keine elitäre Randerscheinung bleibt, soll dies im Sinne einer an der Allgemeinheit orientierten, kulturellen Bewegung erfolgen und somit von universellem Charakter sein.

Hierin liegt der Erfolg all derer, welche nach der eigenen typischen Besonderheit gesucht haben und diese in die Welt hinausgetragen haben.

Die slowcity – Mitgliedstädte /-Regionen unterzeichnen eine Reihe von Verpflichtungen, deren Einhaltung in allen Mitgliedsstädten einheitlich und in regelmäßigen Abständen überprüft wird.

Eine cittaslow erkennt man daran, dass:

  • eine Umweltpolitik gemacht wird, die als Zielsetzung den Erhalt und die Förderung von regionalen Besonderheiten und des städtischen Charakters hat, wobei Recyclingtechnik und Mehrwegsysteme bevorzugt gefördert werden;
  • eine Politik der Infrastrukturen betrieben wird, die funktionell sind für die Aufwertung der Flächen und nicht für die reine Belegung;
  • die Anwendung von Technologien zur Verbesserung der Umweltqualität und der Stadtstruktur eingesetzt werden;
  • in denen die Produktion und Verbrauch von natürlich erzeugten und umweltverträglichen Lebensmitteln angeregt wird, unter Ausschluss von genmanipulierten Produkten. Ebenso sollen, falls nötig, eigene Schutzbeauftragte eingesetzt werden, falls die regionaltypische Produktion in Schwierigkeiten ist;
  • die regionaltypischen Produkte geschützt werden, die ihre Wurzeln in der Kultur und Tradition haben und die zur regionalen Besonderheit beitragen, wobei Flächen und Möglichkeiten zur Verfügung gestellt werden, um den direkten Kontakt zwischen Verbrauchern und Qualitätserzeugern zu fördern.
  • die Qualität der Gastfreundschaft gefördert wird, als eine echte Verbindung mit der Gemeinschaft mit ihrer Besonderheit. Alle Hindernisse, welche die ausgedehnte Nutzung der städtischen Ressourcen beinträchtigen sollen aus dem Weg geräumt werden.
  • bei allen Bürgern und nicht nur in den Arbeitskreisen das Bewusstsein gefördert wird in einer cittàslow zu Leben, mit besonderem Augenmerk auf die Jugend und Schulen und eine systematische Einführung der Geschmackserziehung.

Städte/Regionen, die der Cittàslow-Bewegung beitreten verpflichten sich:

  • Die Aktivitäten von Cittàslow an die Öffentlichkeit zu tragen und die eingesetzten Maßnahmen zur Erreichung der Ziele der Bewegung bekannt zu machen
  • Unter Beachtung den typischen örtlichen Besonderheiten, die Ansichten von Cittàslow zu vertreten und einer Überprüfung durch die jeweiligen Beauftragten der Bewegung zustimmen, wobei die vorgegebenen Bewertungskriterien für die Aktivitäten respektiert werden müssen
  • Innerhalb eines angemessenen Rahmens der eigenen Möglichkeiten, zu den vereinbarten Aktivitäten von allgemeinem Interesse und zur Koordinierung der Bewegung beizutragen.

Die Städte/Regionen haben die Möglichkeit:

  • das Logo der Bewegung für das eigene Erscheinungsbild zu nutzen und den Titel Cittàslow / Cittàslow zu führen.
  • die Nutzung des Markenzeichens allen öffentlichen und privaten Initiativen und Aktivitäten freizustellen, die zur Erreichung der Ziele der Bewegung beitragen.
  • in den Veranstaltungen mitzuwirken, die innerhalb der Bewegung durchgeführt werden, unter Einhaltung der abgesprochenen Vorgaben und Strukturen

Die Aktivitäten der Bewegung werden von den jährlich stattfindenden Mitgliederversammlungen bestimmt, die wie folgt festgelegt sind:

  • Bestimmung der Jahresziele und grundsätzlicher Arbeitsrichtlinien, Bewertungskriterien und der erforderlichen Kontrollorgane.
  • Durchführung der Aktivitäten von allgemeinem Interesse und Festlegung des erforderlichen Budgets, hierin enthalten auch die Kosten für Koordinierungstätigkeiten.
  • Bildung eines Koordinationskomitees für alle Aktivitäten. Es setzt sich zusammen aus Vertretern von Slow Food, den ideellen Trägerstädten, einer bestimmte Anzahl an Vertretern anderer Mitgliedsstädte, wobei die Vertretung eines jeden einzelnen Mitgliedslandes gewährleistet sein muss. Die jährliche Mitgliederversammlung, die jeweils in einer anderen Stadt stattfindet, bietet Gelegenheit zur Diskussion, im Hinblick Durchführbarkeit und Stand der Wissenschaft, das Problem der Lebensqualität in den Städten und zu einer aktuellen Bestandsaufnahme der Cittàslow

Zu den sieben Kriterien zur Bewertung der Cittàslow gehören:

  • 1 Umweltpolitik: Nutzung alternativer und/oder regenerativer Energien; Recycling Konzept
  • 2 Infrastrukturpolitik: Behindertengerecht, Bürgernähe, Grünanlagen, Naherholungsgebiet
  • 3 Urbane Qualität: Stadtentwicklung, Denkmalpflege, Müllkonzept
  • 4 Aufwertung der autochthonen Erzeugnisse: Regionale Wochenmärkte, Pflege heimischen Brauchtums
  • 5 Gastfreundschaft: Pflege von Städtepartnerschaften, Touristinformation
  • 6 (Cittaslow-) Bewusstsein: PR-Arbeit für Slowcity, Öffentlichkeitsarbeit
  • 7 Landschaftliche Qualität: Erhalt und Pflege der landschaftlichen Schönheit/Vielfalt

Die sieben Kriterien im Detail

1 Umweltpolitik
  1. 1. Systematische und kontinuierliche Qualitätskontrolle der Luft (Emissionskontrolle und –Minimierung)
  2. 2. Bestehende Wasserversorgungs- und –Verteilungsvorschriften (Wasserschutzgebiete, Brunnen, Qualitätskontrolle Trinkwasser, Klärsysteme)
  3. 3. Bestehen und Anwendung von Programmen zur Förderung und Verbreitung neuer Technologien für die Kompostierung
  4. 4. Bestehende Kontrollsysteme der durch Beleuchtung ausgelösten Belastung und entsprechende Gegenmaßnahmen
  5. 5. Bestehen und Anwendung von Förderprogrammen für die Nutzung alternativer Energiequellen (Sonne, Wasser, Wind, Geothermik, Biomasse)
  6. 6. Bestehende Kontrollsysteme für Elektrosmog und entsprechende Gegenmaßnahmen
  7. 7. Bestehende Lärmschutz-Kontrollsysteme und entsprechende Gegenmaßnahmen zur Lärmminderung
  8. 8. Aktive Förderung des Agenda 21 – Prozess
  9. 9. Klare Beschilderungen. Verzicht auf überflüssige Schilder
  10. 10. Anwendung der EMAS Richtlinien (Umweltmanagementsystem, Öko-Audit)
  11. 11. Anwendung der ISO 9000 (Qualitätsmanagement)
  12. 12. Anwendung der SA 8000 (Sozialmanagementsystem, Sozial-Audit)
2 Infrastrukturpolitik
  1. 1. Eingerichtete und ausgestattete Grünanlagen (Pflege und Möblierung von Parks)
  2. 2. Vorhandensein von Gehsteigen ohne bauliche Barrieren (Fußgängerfreundlichkeit)
  3. 3. Behindertengerechter Zugang und Nutzung öffentlicher Gebäude
  4. 4. Vorhandene Infrastruktur zur Förderung der alternativen Mobilität (attraktiver ÖPNV, Radwege, Fußgängerzonen)
  5. 5. Vorhandensein von öffentlichen Toiletten mit freiem Zugang
  6. 6. Einheitlich attraktive Öffnungszeiten für den Publikumsverkehr in den Bereichen der Stadtverwaltung
  7. 7. Vorhandensein einer Abteilung für Beziehungen zu den Bürgern der Stadt
  8. 8. Servicerufnummer „Lebenswerte Stadt" für die Bürger (Bürgertelefon)
  9. 9. Vorhandensein eines Programms für Öffnungszeiten nach den Bedürfnissen der Bürger
  10. 10. Maßnahmen zur Sicherung der Grundversorgung in der Innenstadt
  11. 11. Unterstützung und Förderung öffentlicher Einrichtungen (Sporteinrichtungen, Freizeiteinrichtungen, Büchereien)
3 Urbane Qualität
  1. 1. Maßnahmenprogramme zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands der Stadtkerne und Bauten von kultureller oder historischer Bedeutung
  2. 2. Förderung der Nutzung von wiederverwendbaren Behältnissen innerhalb der öffentlichen Strukturen
  3. 3. Mülltrennung, festgelegte Abholzeiten
  4. 4. Förderung und Pflege regionaltypischer Bepflanzung in öffentlichem und privatem Raum
  5. 5. Förderung des Kontakts zwischen Stadtverwaltung und Bürgern
  6. 6. Bestehende Maßnahmen zur Sensibilisierung für Bauvorhaben nach ökologischen Prinzipien
  7. 7. Bestehende Programme und Aktivitäten zur Aufwertung und Nutzung der Altstadt
  8. 8. Zukunftsorientierte Flächenerschließung. Flächensparende Stadtentwicklung
  9. 9. Stadtgeschichte als Entwicklungspotenzial erkennen und nutzen
4 Aufwertung der autochthonen Produktion
  1. 1. Auswahl der regionaltypischen Erzeugnisse jeglicher Art
  2. 2. Förderung und Erhalt von lokalen kulturellen Veranstaltungen
  3. 3. Entwicklungsprogramm „Märkte" für Naturprodukte, Förderung von aufwertenden Angebotsflächen
  4. 4. Programme zur Geschmacks- und Ernährungserziehung
  5. 5. Programme zur Sensibilisierung für natürliche Produktionsweisen
  6. 6. Programme zur Förderung der biologischen Landwirtschaft und Zertifizierung der Erzeugnisse
  7. 7. Maßnahmen zur Aufwertung der Ernährungstradition
  8. 8. Förderung traditioneller Produkte und Erzeugnisse der Stadt
  9. 9. Erhalt und Förderung landschaftstypischer Bewirtschaftungsweisen
5 Gastfreundschaft
  1. 1. Bestehendes System der Verifizierung für die Einhaltung der Versprechungen in den Broschüren der öffentlichen Lokale
  2. 2. International verständliche Beschilderung
  3. 3. Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten in der Touristinformation
  4. 4. Bestehen von Rundgängen für Touristen, ausgeschildert und mit Beschreibung
  5. 5. „slow" – Führungen durch die Stadt. Erstellen einer entsprechenden Broschüre
  6. 6. Bestehende bewachte Parkplätze in zentrumsnaher Lage
  7. 7. Politik der Gastlichkeit. Besucherorientierte Konzepte bei großen Veranstaltungen
  8. 8. Förderung von Initiativen die den Cittàslow-Zielen nahe stehen
  9. 9. Pflege von Städtepartnerschaften
6 (Cittaslow-) Bewusstsein
  1. 1. Serviceheft der Cittàslow / Regionen (Infobroschüre)
  2. 2. Markenzeichen der Cittàslow (Logo)
  3. 3. Einsatz des Cittàslow-Logos auf den Druckunterlagen der Stadtverwaltung
  4. 4. Bestehen von Programmen zur Verbreitung der Aktivitäten der Bewegung
  5. 5. Eigens eingerichtete Website mit den in der Stadt durchgeführten Cittàslow-Inhalten
  6. 6. Angebot von sozialen Leistungen in der Stadt (Freizeitangebot, Hilfeleistungen für ältere Menschen)
  7. 7. Programme für die finanzielle Unterstützung der Umsetzung der Cittàslow-Kriterien
  8. 8. Bestehendes städtisches Mitteilungsblatt mit Artikeln zu den Cittàslow-Initiativen
  9. 9. Programme zur Entwicklung von Initiativen unter Einbeziehung der lokalen Meinungsbildner
  10. 10. Zusammenarbeit mit Kantinen und Mensen zur Etablierung der Cittàslow-Grundsätze
  11. 11. Maßnahmen zur Förderung der regionalen Identität und des regionalen Selbstbewusstseins
  12. 12. Förderung der Umweltbildung
7 Landschaftliche Qualität
  1. 1. Erhalt und Pflege der landschaftlichen Vielfalt
  2. 2. Erhalt und Pflege der landschaftlichen Eigenart
  3. 3. Erhalt und Pflege der landschaftlichen Schönheit
  4. 4. Erhalt der historisch gewachsenen typischen Kulturlandschaft
  5. 5. Schaffen regionalverträglicher Entwicklungskonzepte
  6. 6. Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe
  7. 7. Förderung eines Biotopverbundsystems
Enns TSE Tourismusverein Enns CittàSlow Welterbe Donaulimes Donauregion OÖ